PMOS soll künftig den Begriff PCOS ersetzen. Die neue Bezeichnung soll besser zum Ausdruck bringen, dass neben den Eierstöcken auch Stoffwechsel- und Hormonsysteme betroffen sind.
Viele Frauen erleben die Diagnose PCOS (polyzystisches Ovarialsyndrom) zunächst als emotionalen Wendepunkt. Endlich gibt es eine Erklärung für Beschwerden wie unregelmäßige Zyklen, unerfüllten Kinderwunsch, Hautprobleme, Gewichtsschwankungen oder ständige Erschöpfung. Gleichzeitig tauchen oft neue Fragen, Unsicherheiten und Sorgen auf.
Nun taucht zunehmend ein neuer Begriff auf: PMOS – Polyendokrines ovarielles Stoffwechselsyndrom.
Vielleicht haben Sie bereits gelesen, dass PCOS künftig anders bezeichnet werden soll. Das kann Verunsicherung auslösen: Handelt es sich um eine neue Erkrankung? Warum sprechen Fachleute plötzlich so häufig über den Stoffwechsel? Und was bedeutet das für betroffene Frauen im Alltag?
Die beruhigende Antwort lautet: Die Erkrankung selbst hat sich nicht verändert – aber das medizinische Verständnis davon entwickelt sich weiter. Internationale Expertinnen und Experten erkennen zunehmend, dass PCOS nicht nur eine hormonelle oder gynäkologische Erkrankung ist. Vielmehr spielen auch Stoffwechselprozesse, die Insulinregulation, Entzündungsmechanismen und die langfristige Stoffwechselgesundheit eine zentrale Rolle.
Für viele Patientinnen ist das ein wichtiger Schritt. Denn viele Frauen haben schon lange gespürt, dass PCOS weit mehr betrifft als nur den Zyklus oder die Eierstöcke.
Was ist PMOS – und warum wird PCOS umbenannt?
Das bisherige „polyzystische Ovarialsyndrom“ (PCOS) gehört zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Weltweit sind Millionen von Frauen davon betroffen.
Internationale Fachgesellschaften schlagen inzwischen vor, die Erkrankung künftig als PMOS – Polyendokrines ovarielles Stoffwechselsyndrom zu bezeichnen.
Der Grund dafür: Der bisherige Begriff wurde aus medizinischer Sicht zunehmend als ungenau angesehen.
Denn viele betroffene Frauen haben gar keine Zysten an den Eierstöcken. Auch handelt es sich bei den im Ultraschall sichtbaren „Zysten“ meist tatsächlich nicht um Zysten im eigentlichen Sinne, sondern um unreife Eibläschen. Der alte Begriff beschreibt vor allem die Eierstöcke, nicht jedoch die metabolischen und hormonellen Zusammenhänge. Wichtige Faktoren wie Insulinresistenz, Gewichtszunahme oder Stoffwechselprobleme wurden oft unterschätzt.
Die neue Bezeichnung soll die Erkrankung daher umfassender und präziser beschreiben.
Was bedeutet PMOS genau?
Polyendokrin
Es sind mehrere Hormonsysteme beteiligt – darunter Insulin, Androgene, Stresshormone und Fortpflanzungshormone.
Stoffwechsel
Der Stoffwechsel spielt eine zentrale Rolle. Besonders wichtig sind Insulinresistenz, Blutzuckerregulation und metabolische Gesundheit.
Ovarial
Die Eierstöcke spielen weiterhin eine wichtige Rolle bei dieser Erkrankung, insbesondere im Zusammenhang mit dem Eisprung und der Fruchtbarkeit.
Warum der Stoffwechsel bei PCOS / PMOS so wichtig ist
Ein zentraler Mechanismus bei PCOS ist häufig die sogenannte Insulinresistenz.
Insulin ist ein Hormon, das dafür sorgt, dass Zucker aus dem Blut in die Körperzellen transportiert werden kann. Bei einer Insulinresistenz reagieren die Zellen weniger empfindlich auf Insulin. Der Körper produziert deshalb mehr davon.
Genau hier beginnt ein wichtiger Kreislauf:
Erhöhte Insulinspiegel können die Eierstöcke dazu anregen, mehr männliche Hormone (Androgene) zu produzieren. Diese wiederum können den Eisprung stören, zu einem unregelmäßigen Zyklus führen, Akne begünstigen, eine veränderte Körperbehaarung fördern und letztendlich sogar den Kinderwunsch erschweren.
Gleichzeitig erhöht eine Insulinresistenz langfristig auch das Risiko für:
- Prädiabetes und Typ-2-Diabetes
- Zunahme des Bauchfetts
- Fettstoffwechselstörungen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Wichtig ist: Nicht jede Frau mit PCOS weist dieselben Stoffwechselveränderungen auf. Manche Frauen sind schlank und haben dennoch eine ausgeprägte Insulinresistenz. Andere leiden stärker unter Gewichtszunahme oder Stoffwechselproblemen. Genau diese Unterschiede machen die Erkrankung oft so komplex.
PCOS betrifft nicht nur die Eierstöcke
Lange Zeit wurde PCOS vor allem als Fruchtbarkeitsstörung angesehen. Heute weiß man: Die Erkrankung betrifft häufig den gesamten Organismus.
Mögliche Beschwerden und Begleiterkrankungen sind unter anderem:
- Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation
- Akne und unreine Haut
- Verstärkte Gesichts- oder Körperbehaarung
- Haarausfall am Oberkopf
- Gewichtszunahme
- Erschöpfung und Energiemangel
- Schlafprobleme
- Stimmungsschwankungen
- Erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes
- Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Viele Frauen erleben darüber hinaus psychischen Druck, Frustration oder das Gefühl, mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen zu werden. Auch deshalb ist die neue ganzheitliche Sichtweise auf PMOS für viele Betroffene wichtig.
Der Zusammenhang zwischen Hormonen, Entzündungen und Stoffwechsel
PCOS / PMOS entsteht nicht durch eine einzelne Ursache. Vielmehr beeinflussen sich verschiedene biologische Prozesse gegenseitig.
Hormonelle Veränderungen
Erhöhte Insulin- und Androgenspiegel können den Eisprung und das hormonelle Gleichgewicht beeinträchtigen.
Chronische stille Entzündungen
Studien zeigen, dass bei vielen Frauen mit PCOS sogenannte “stille”, geringgradige Entzündungsprozesse vorliegen. Diese können den Stoffwechsel zusätzlich belasten.
Fettgewebe als hormonell aktives Organ
Fettgewebe produziert selbst hormonähnliche Botenstoffe und Entzündungsmediatoren. Dadurch kann es hormonelle und Stoffwechselprozesse beeinflussen.
Stress und Schlaf
Chronischer Stress und Schlafmangel können die Insulinresistenz und hormonelle Ungleichgewichte verstärken.
Diese komplexen Zusammenhänge zeigen: PCOS ist weder eine reine „Gewichtserkrankung“ noch einfach ein gynäkologisches Problem. Es handelt sich um eine vielschichtige Stoffwechsel- und Hormonerkrankung. Die Umbenennung in PMOS soll keine Angst machen – sondern die Erkrankung besser erklären.
Ernährung und Lebensstil: Wichtige Unterstützung für den Stoffwechsel
Lebensstil und Ernährung gelten heute als wichtige Bestandteile einer evidenzbasierten PCOS-/PMOS-Begleitung. Dabei geht es nicht um Perfektion oder radikale Diäten.
Vielmehr zeigen wissenschaftliche Daten, dass langfristige, realistische Veränderungen positive Auswirkungen auf die Insulinsensitivität, die Stoffwechselgesundheit, die Zyklusregulation, das Energieniveau, Entzündungsprozesse und das allgemeine Wohlbefinden haben können.
Ernährung bei PCOS / PMOS
Häufig werden Ernährungsweisen empfohlen, die den Blutzuckerspiegel möglichst stabil halten.
Dazu gehören unter anderem:
- ballaststoffreiche Lebensmittel
- ausreichend Eiweiß
- Gemüse und Hülsenfrüchte
- hochwertige Fette
- Vollkornprodukte
- Lebensmittel, die so wenig wie möglich industriell verarbeitet sind
Wichtig ist dabei ein nachhaltiger Ansatz ohne übermäßigen Druck oder Schuldgefühle.
Bewegung
Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Insulinsensitivität verbessern – unabhängig vom Gewicht.
Schon moderate Bewegung kann sich positiv auf den Stoffwechsel, das Energieniveau, den Schlaf, die Stimmung und die Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirken.
Schlaf und Stressbewältigung
Auch die Schlafqualität und die Stressregulation spielen eine wichtige Rolle für den Hormon- und Stoffwechselhaushalt.
Kleine, langfristig umsetzbare Veränderungen sind meist hilfreicher als drastische Einschnitte.
Kinderwunsch bei PMOS
Eine der größten Sorgen vieler Frauen mit PCOS betrifft die Fruchtbarkeit.
Wichtig zu wissen ist:
PCOS/PMOS bedeutet nicht automatisch Unfruchtbarkeit.
Viele Frauen werden spontan schwanger. Andere profitieren von medizinischer Unterstützung, Zyklusregulierung oder Stoffwechseltherapien.
Die stärkere Berücksichtigung metabolischer Faktoren könnte die Kinderwunschbehandlung in Zukunft sogar verbessern, da hormonelle und stoffwechselbezogene Aspekte gemeinsam betrachtet werden.
Ein ganzheitlicheres Verständnis der Erkrankung
Sie sehen also: PCOS ist weit mehr als nur eine Störung der Eierstöcke oder der Fruchtbarkeit. Stoffwechsel, Hormone, Entzündungsprozesse und Lebensstil sind eng miteinander verflochten.
Das bedeutet auch: Betroffene Frauen sind ihren Beschwerden nicht hilflos ausgeliefert.
Eine langfristige Unterstützung durch Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung und medizinische Begleitung kann einen wichtigen Beitrag zur Stoffwechsel- und Hormonbalance leisten.
Auch eine gezielte Versorgung mit Mikronährstoffen kann sinnvoll sein. Fertilovit® F PCOS Es wurde speziell zur diätetischen Unterstützung des Stoffwechsels bei PMOS entwickelt und eignet sich aufgrund des hohen Folsäuregehalts besonders auch für Frauen mit Kinderwunsch.
Vor allem aber vermittelt die aktuelle Forschung eine wichtige Botschaft:
Mit zunehmendem wissenschaftlichen Verständnis eröffnen sich neue Möglichkeiten für individuellere und ganzheitlichere Ansätze im Umgang mit PCOS / PMOS.
FAQ – PCOS, PMOS und Stoffwechsel
Nein. PMOS ist die neue vorgeschlagene Bezeichnung für PCOS (polyzystisches Ovarialsyndrom). Die Umbenennung soll besser zum Ausdruck bringen, dass neben den Eierstöcken auch Stoffwechsel- und Hormonsysteme betroffen sind.
Nicht alle, aber sehr viele. Der Grad der Insulinresistenz kann individuell unterschiedlich sein. Auch schlanke Frauen können eine Insulinresistenz entwickeln.
Eine ausgewogene Ernährung kann den Stoffwechsel und die Insulinsensitivität fördern. Sie ersetzt zwar keine medizinische Behandlung, gilt jedoch als wichtiger Bestandteil einer langfristigen Betreuung.
Nein. Viele Frauen mit PCOS werden spontan schwanger. Andere profitieren von medizinischer Unterstützung.
Denn wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Stoffwechselprozesse wie Insulinresistenz eine zentrale Rolle bei PCOS spielen und langfristige Gesundheitsrisiken beeinflussen können.
Ja. Körperliche Aktivität kann die Insulinsensitivität und den Stoffwechsel verbessern – unabhängig von einer Gewichtsabnahme.
Quellenangabe
Teede HJ, Khomami MB, Morman R, Laven JSE, Joham AE, Costello MF, Patil M, Rees DA, Berry L, Cree MG, Zhao H, Norman RJ, Dokras A, Piltonen T; Global Name Change Consortium. Das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom, die neue Bezeichnung für das polyzystische Ovarialsyndrom: ein mehrstufiger globaler Konsensprozess. Lancet. 12. Mai 2026:S0140-6736(26)00717-8. doi: 10.1016/S0140-6736(26)00717-8. Online-Veröffentlichung vor Drucklegung. PMID: 42119588.
